Sporttasche “Marijo Maric” im Hanix-Magazin No.39

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Text: Marc Thorwartl, Foto: Memo Filiz (www.memografie.com)

Alles dreht sich um den Fußball

Heilbronner, kroatischer Nationalspieler, Familienvater, Sportdirektor, Trainer und Inhaber einer Fußballschule – im Gespräch mit Hanix gewährt Marijo Maric (38) tiefe Einblicke in sein Leben.

Auf der Tribüne des Sportclubs Blau-Weiß im Heilbronner Stadtteil Horkheim lässt Marijo Maric seinen Blick gedankenversunken über die Rasenfläche gleiten. »Anfang der 80er-Jahre habe ich – wie alle anderen Kinder auch – jede freie Minute auf dem Bolzplatz verbracht oder im Garten gespielt, ehe ich mit fünf Jahren in den Verein kam.« Der ist längst Geschichte. 2012 ging der ESV Heilbronn in der TG Böckingen auf. In der E-Jugend wechselte er zum damaligen Fußballaushängeschild der Region: dem VfR Heilbronn. »Der spielte Oberliga. Das war die dritthöchste Klasse im deutschen Fußball.« Und hatte eine exzellente Jugendarbeit. Maric hatte die eingebaute Torgarantie. Das blieb nicht unbemerkt. Es folgten Berufungen in diverse Auswahlteams, und schnell wurde der DFB auf ihn aufmerksam. Er sollte für die deutschen Nachwuchsteams starten. Doch er zögerte, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben. »Tief in mir drin hatte ich das Gefühl, dass ich für Kroatien spielen wollte.« Mit 18 wechselte er zum Drittligisten TSF Ditzingen. Dort benötigte er genau zwei Spiele, damit höherklassige Vereine auf ihn aufmerksam wurden. Es war eine englische Woche angesagt. »Sowohl gegen den SSV Ulm als auch Quelle Fürth wurde ich jeweils in der zweiten Halbzeit eingewechselt.« Gegen die Domstädter traf er dreimal, gegen die Bayern doppelt. Einen Tag später meldete sich der VfB Stuttgart, bot ihm einen Dreijahresvertrag an und holte ihn in die Landeshauptstadt. Sein dortiger Trainer: Jogi Löw.

Beim Bundesligisten lief es nicht wie gewünscht: »Ich war zu ungeduldig und wollte unbedingt spielen.« Doch meist fand er sich bei der Amateurmannschaft der Schwaben wieder. Deshalb bat er zum Saisonende um Vertragsauflösung und wechselte nach Mannheim, ehe er 1999 beim VfL Bochum zum zweiten Mal in der höchsten Liga auflief. Maric erzielte acht Tore. Das reichte nicht. Der Ruhrpott-Club stieg ab. »Am Ende der Saison rief mich der kroatische Nationaltrainer Otto Baric an. Er wollte, dass ich für die Auswahl spiele. Allerdings musste ich bei einem Erstligisten unter Vertrag stehen.« Deshalb wechselte er nach Kärnten und damit erfolgte die Berufung ins Nationalteam. Acht Spiele bestritt er für Kroatien. Das Highlight: Die Partie in Ipswich gegen England: »Ich durfte von Beginn an mit Ivica Olic stürmen.« Es wurde das Spiel seines Lebens. England trat damals mit allen Stars wie Beckham, Campbell, Ferdinand oder Scholes an. »Ich hatte zwei gute Chancen. Doch Englands Keeper David James, der damals sein Debüt feierte, hatte einen Sahnetag erwischt.« Trotzdem wurde er direkt nach Spielende von Scouts der Premier-League-Clubs Leeds United und Newcastle angesprochen. Er war nur einen Schritt vom ganz großen Fußball und Gehalt entfernt. Aber die Regularien machten ihm einen Strich durch die Rechnung: »Kroatien war damals nicht in der EU. Deshalb hätte ich, um in England spielen zu dürfen, 75 Prozent der kroatischen Länderspiele der letzten beiden Jahre absolviert haben müssen.« Egal wie er rechnete, er kam nur auf 67 Prozent. Damit platzte der Traum von der Insel.

Er ging zurück nach Deutschland, spielte noch mehrere Jahre in der 2. Bundesliga und machte sich Gedanken über die Laufbahn nach der Profikarriere. »Fußball war mein Leben. Ich wusste, dass ich ihm irgendwie erhalten bleiben möchte.« Ein Bandscheibenvorfall beendete 2009 seine aktive Laufbahn. Den Krankenstand nutze er, um die A-Lizenz zu erwerben. 2010 eröffnete er seine Fußballschule. Es folgten diverse Trainerposten, zeitgleich begann er ein Sportmanagement-Fernstudium. Im Januar dieses Jahres trat der Oberligist Freiberg mit dem Angebot, den Posten des Sportdirektors zu übernehmen, an ihn heran. Maric sagte zu. »Das ist schon eine völlig neue Situation, wenn du am Verhandlungstisch mit Spielern plötzlich auf der anderen Seite sitzt.« Doch dann der Schock: Drei Tage, ehe das Vorbereitungstraining begann, bat der damalige Freiberg-Coach Ramon Gehrmann um Vertragsauflösung, um zum KSC in die A-Junioren Bundesliga zu wechseln. Der erfolgreichste württembergische Oberligist der letzten Jahre stand urplötzlich ohne Trainer da. Maric erinnert sich: »Der Präsident fragte mich, ob ich eine externe Lösung bevorzuge oder in Personalunion auch als Trainer tätig sein könnte.« Maric entschied sich für die Doppelfunktion. »Das Traineramt ist genau mein Ding.« Zumal er für sein Fernziel, den Fußball-Lehrer an der Hennes-Weisweiler-Akademie, wenigstens ein Jahr als Chefcoach eines Verbandsligisten oder höherklassigen Vereins tätig gewesen sein muss. »Ich habe ganz klare Ziele. Im Sport und im Beruf. Dem Fußball-Lehrer werde ich alles unterordnen.«

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